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27.05.2016

Nur die Linke verliert auf höherem Niveau

Havelland. Die Zahl der Mitglieder bei den Parteien im Havelland bleibt weitgehend konstant. Zulauf verzeichnet lediglich die AfD. Die LINKE hingegen hat mit Verlusten zu kämpfen.

BRAWO, Patrik Rachner -

Der SPD-Unterbezirk Havelland hat aktuell hat mit aktuell 515 Genossen die meisten Mitglieder. Diese Zahl ist im Vergleich zu den vergangenen Jahren leicht wachsend. Die größten Ortsvereine sind der in Falkensee mit rund 200 Akteuren, der in Rathenow-Westhavelland mit 65 Mitgliedern und der Ortsverein Havelland-Mitte, zu dem auch Nauen gehört, mit aktuell 55 Genossen. "Wir freuen uns über die positive Entwicklung der Mitgliederzahlen der SPD im Havelland. In den letzten Monaten konnten wir vermehrt junge und engagierte Mitglieder gewinnen. Bei uns sind politisch Interessierte, die die Politik im Havelland mitgestalten möchten, immer willkommen", sagte Martin Gorholt, Havellands SPD-Vorsitzender.

Auch die Mitgliederzahlen der SPD Brandenburg sind wieder auf einem stabilen Niveau. Aktuell gibt es etwa 6.050 Brandenburger Mitglieder. Aber: 2011 waren es allerdings noch deren rund 6.500 Mitglieder. Generell ist die Anzahl der Eintritte in Wahljahren etwas höher als in Nicht-Wahljahren. Das Durchschnittsalter liegt in der Brandenburger SPD bei rund 55 Jahren und damit vier Jahre unter dem Schnitt der Bundespartei (rund 59 Jahre), wie Thomas Behm, Nordwest-Regionalgeschäftsführer des SPD-Landesverbandes betonte.

Knapp hinter den Sozialdemokraten liegt die CDU. Sie hat im Havelland aktuell 505 Mitglieder, im Land sind es rund 5.900, rund 800 weniger als vor fünf Jahren. "Die Mitgliederzahlen sind im Havelland zurückblickend durchaus konstant. Kleinere Schwankungen aufgrund von Austritten, Sterbefällen oder Wegzügen können wir kompensieren durch Zuzüge und Eintritte", so Michael Koch, Vize-CDU-Chef im Havelland. Als schwieriges Pflaster erweist sich für die Christdemokraten traditionell Nauen aber auch der ländliche Raum im Bereich Nennhausen. Woran liegt das? "Wir haben dort keinen harten Kern und eine schwache Basis muss ich unumwunden zugeben", so Koch weiter.

Die Linkspartei im Havelland indes verliert seit dem Höchstwert im Jahr 2013 kontinuierlich Mitglieder. Mittlerweile ist die Zahl mit 288 Genossen unter die 300er-Marke gerutscht. Dagegen hat der Landesverband der Linken mit 6.200 Mitgliedern mehr als die SPD zu verzeichnen. Zur Situation im Havelland, sagte Parteichef Hendrik Öchsle: "Es ist an den sinkenden Mitgliederzahlen zu erkennen, dass die altersmäßige Zusammensetzung in dieser Frage zum Tragen kommt. Wir müssen 39 Todesfälle seit 2013 verzeichnen. Diese Entwicklung ist mit Neumitgliedern zurzeit nicht zu kompensieren, zumal junge Mitglieder nach einer gewissen Zeit den Landkreis aus beruflichen Gründen verlassen und verziehen. Um dem Mitgliederschwund entgegenzuwirken, ist es dringend notwendig, die vorhandenen jungen Mitglieder als Gruppe zu bündeln und deren Ausstrahlungskraft zu erhöhen. Es ist ein schwieriges Problem, da sich junge Menschen eher zurückhaltend verhalten, wenn es darum geht, sich an eine Partei zu binden. Bei konkreten Projekten, die von uns unterstützt werden, sieht es anders aus." Die Austritte verteilen sich im Übrigen über den gesamten Kreisverband. Eine Konzentration der Austritte sei nicht zu erkennen. "Die Gründe für Austritte sehe ich vorwiegend wieder in der Altersstruktur. Eine große Zahl der Austritte ist gesundheitlichen Problemen geschuldet, wie zum Beispiel durch Umzug in Alters- und Pflegeeinrichtungen oder durch Aufgabe der Selbstständigkeit. Die Austritte aus politischen Gründen halten sich mit zwei in Grenzen", so Öchsle weiter.

Die Bündnisgrünen haben seit 2011 kontinuierlich zugelegt (71 Parteifreunde), seit 2014 stagniert aber die Mitgliederzahl beziehungsweise hat sie sich bei rund 100 eingependelt - allein 50 Mitglieder hat der Ortsverband Falkensee. Dahinter liegen Dallgow und Brieselang. Der Regionalverband in Rathenow könnte auch mehr Mitglieder vertragen. Der Berlin-nahe Raum erweist sich im Verhältnis zum Westhavelland als deutlich stärkeres bündnisgrünes Pflaster, allerdings gibt es dennoch weiße Flecken. Fuß fassen können die Grünen etwa nicht in Nauen. Dort gibt es kein einziges Mitglied. Aufgegeben haben die Grünen die Funkstadt indes nicht. Auch die Situation in Schönwalde ist schwierig, wenngleich dort immerhin ein Vertreter im Gemeindeparlament aktiv ist. Dort weitergehende Strukturen zu etablieren, bleibt ein Anliegen, dem sich die Partei stellen will. Aber: "Die Nachwuchsgewinnung bleibt ein Problem. Das betrifft allerdings alle Parteien", so Michael Lange, Kreisschatzmeister der Grünen. Deren drei Mitglieder hat etwa die Grüne-Jugend im Havelland. Auf Landesebene bleiben die Grünen mit 987 im Übrigen knapp unter der 1000er-Marke.

Bei der FDP stagniert die Mitgliederzahl auf Landesebene knapp über der Marke von 1100. Die Tendenz ist seit einigen Monaten wieder leicht steigend. Den Höchststand mit über 1400 Mitgliedern verzeichneten die Liberalen in Brandenburg im Jahr 2009, bis Ende 2013 ist es kontinuierlich abwärts gegangen, seit einem Jahr ist dieser Trend gestoppt. Grund für die Austritte war laut Angaben von Dr. Volkmar Richter, Kreisvorsitzender der FDP im Havelland, vor allem die Unzufriedenheit mit der Politik der Jahre 2009 bis 2013 in der damaligen Bundesregierung. Das Havelland liegt ebenfalls in diesem Trend: "In der Spitze haben wird rund 110 Mitglieder gehabt, aktuell liegen wir nun kontinuierlich bei über 90. Wobei auffällig ist, dass uns ältere Mitglieder verlassen - teils durch Tod oder Umzug, teils durch Austritt - und tendenziell jüngere Mitglieder zu uns finden. Auch das entspricht in etwa dem Landestrend. Im letzten Jahr hat sich die Situation stabilisiert. Wir hatten einen krankheitsbedingten Austritt, zwei Neumitglieder und einen Zugang durch Umzug zu verzeichnen", so Richter, der sich während der nächsten Kreisvorstandssitzung speziell der Intensivierung der Mitgliedergewinnung und Jugendarbeit widmen möchte. Die stärksten Ortsverbände sind im Westhavelland mit 45 Mitgliedern die bisherigen Ortsverbände Rathenow und Rhinow/Friesack, die sich mittlerweile zusammengeschlossen haben und Falkensee mit 31 Mitgliedern. "Insgesamt blicken wir Freien Demokraten jedoch wieder zuversichtlich in die Zukunft. Die verbliebenen Mitglieder sind mit großer Mehrheit der Meinung, dass die heutige Bundesspitze die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen wird. Die Erfolge zuletzt bei den Landtagswahlen machen uns zuversichtlich, dass immer mehr Menschen Vertrauen zu den Freien Demokraten zurückgewinnen. Das macht sich auch in der Stimmung im Havelland bemerkbar, Mitglieder kommen wieder häufiger zu Versammlungen und sind bereit, sich zu engagieren. Letztlich entscheidet nicht allein die Mitgliederzahl sondern Programmatik und Engagement über unseren Erfolg", meinte Richter.

Und die AfD? Diese Partei verzeichnet, wie berichtet, enormen Zulauf. Laut Angaben von Kai Gersch, Kreisvorsitzender, werde die Mitgliederzahl bald die Grenze von 100 überschreiten. Aktuell hat die Alternative für Deutschland im Havelland mehr als 80 Mitglieder, landesweit sind es deren 855. Die Parteistrukturen werden demnächst mit Blick auf ortsbezogen Untergliederungen weiter ausgebaut. "Im Moment haben wir als noch relativ junge Partei nur einen reinen Kreisverband, damit fahren wir noch ganz gut. Mittelfristig werden wir uns breiter aufstellen", sagte Gersch zuletzt.

aktualisiert von Michael Koch, 03.08.2016, 15:45 Uhr
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